Vorwort des Vorstandes

Sehr geehrte Damen und Herren,

es ist wohl keineswegs übertrieben, das vergangene Jahr als abwechslungsreich oder gar turbulent zu bezeichnen. Bereits in den ersten Wochen des Vorjahres beschloss die US-Regierung Anti-Dumping-Zölle. Wenige Monate später wurden diese auf Stahl- und Aluminiumimporte ausgeweitet. Darüber hinaus dauert der über Strafzölle initiierte Handelskonflikt zwischen den USA und China bis heute an. In Europa dominierten der mögliche Ausstieg Großbritanniens aus der EU und im Automobil-Bereich das neue, weltweit harmonisierte Abgastestverfahren WLTP den Diskurs.

Uns hat in dieser durchaus fordernden Situation unser breit aufgestelltes Kunden-, Markt- und Produktportfolio geholfen. Das wissen unsere Geschäftspartner zu schätzen: Dank exzellenter Auftragslage wuchsen wir auch 2018, etwa durch neue Werke in den für uns und unsere Kunden relevanten Märkten. Die BENTELER Gruppe erwirtschaftete im Vergleich zum Vorjahr 2,7 % mehr Umsatz; das Wachstum lag über dem des Marktes. Damit ging die Herausforderung einher, die Produktion in Form von An- und Hochläufen zu erhöhen – was über Plan liegende Kosten verursachte. In Kombination mit den wirtschaftspolitischen Turbulenzen führte dies zu einem niedrigeren EBIT.


Das gilt vor allem für die Division Automotive: Zwar konnte ein Umsatz auf Vorjahresniveau erzielt werden – obwohl der Markt im zweiten Halbjahr rückläufig war –, das Ergebnis entspricht aber nicht unseren Erwartungen. Das erste Halbjahr verlief positiv – vor allem durch den erfolgreichen Hochlauf des Modulwerks im polnischen Września und das Wachstum in China, von dem unsere Werke in Shenyang und Changshu profitierten. Die zweite Jahreshälfte brachte eine marktbedingte Trendwende: Die eingangs erwähnten externen Faktoren führten zu regionalen Absatzeintrübungen; gemeinsam mit den höheren Kosten für die zahlreichen Produktanläufe resultierte daraus ein niedrigeres EBIT. Die zugrunde liegenden Märkte sind jedoch intakt, weshalb wir mit Nachholeffekten rechnen.

Die Division Steel/Tube erzielte einen Rekordumsatz. Auch das EBIT konnte gesteigert werden. Vor allem die Vollauslastung der deutschen Werke, unter anderem aufgrund der hohen US-Nachfrage nach OCTG-Rohren, wirkte sich positiv aus; die neuerhobenen Zölle konnten wir teilweise an unsere Kunden weitergeben. Im zweiten Halbjahr haben wir deutliche Fortschritte beim Hochlauf des Warmrohrwerkes in Shreveport, USA erzielt: Unterstützt durch erfahrene Kollegen aus Deutschland konnte das US-Team den Hochlauf weiter erfolgreich vorantreiben. Die US-Marktentwicklung und -relevanz macht sehr deutlich, dass die Großinvestition in den USA strategisch der richtige Schritt in eine prosperierende und diversifizierte Zukunft ist.

Die Division Distribution steigerte neben dem Umsatz auch das Ergebnis (bereinigt um einen Grundstücksverkauf in der Schweiz) – und das bei einer Absatzmenge auf Vorjahresniveau. Die erfreuliche Entwicklung beruht auf den nun höheren Marktpreisen, konsequenten operativen Verbesserungen und der rigorosen Bereinigung des Produktportfolios.

 

Ausblick

2018 haben wir unsere strategische Ausrichtung angepasst. Nach Jahren des Wachstums sind wir nun ein führender Zulieferer für den Automobil-, Energie- und Maschinenbausektor. Wir sind mit mehr als 140 Standorten in rund 40 Ländern vertreten – überall dort, wo unsere Kunden uns benötigen. Darum legen wir unseren Fokus auf ausgewogenes Wachstum und erhöhte Profitabilität. Künftig werden wir uns noch stärker auf unser Kerngeschäft konzentrieren: Als Prozessspezialist werden wir unseren Kunden exzellente Produkte, Prozesse und Services bieten. Darüber hinaus investieren wir gezielt in ausgewählten Bereichen, die zu unserer Kernkompetenz passen – etwa im Bereich Elektromobilität. Oder in Zukunftsthemen wie Automatisierung und Industrie 4.0, die unsere Effizienz weiter steigern.

Was aber erwarten wir von 2019? Eine Beruhigung des wirtschaftspolitischen Weltgeschehens ist nicht absehbar; zugleich rechnen wir durch die sehr gute Auftragslage auch in diesem Jahr noch mit einer deutlichen Volumensteigerung, bevor wir ab 2020 ein ausgewogenes Wachstum anstreben. Somit wird auch das aktuelle Jahr herausfordernd. Zugleich sind wir zuversichtlich, dass wir durch die bereits angestoßenen Initiativen und geplanten Maßnahmen gut gerüstet sind, um weiterhin im kompetitiven Umfeld erfolgreich zu sein. Mehr noch, wir freuen uns darauf, auch im neuen Jahr für unsere Kunden Lösungen zu entwickeln, die den Unterschied machen.

All dies wäre ohne den unermüdlichen Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht denkbar. Ihnen sprechen wir, der Vorstand der BENTELER International AG, auch im Namen der Geschäftsführungen der Divisionen, unseren aufrichtigen Dank aus. Wie auch unseren Kunden für die teils jahrzehntelange Partnerschaft. Unseren Gesellschaftern danken wir für ihre wertvolle Unterstützung. Gemeinsam machen wir es möglich.

 

Salzburg, März 2019 │ BENTELER International AG

Ralf Göttel
Vorsitzender des Vorstandes

Guido Huppertz
Finanzvorstand

Isabel Diaz Rohr
Mitglied des Vorstands