„Wir haben den Vorsprung genutzt“

Dr. Lucinio Bausela ist Safety, Health and Environment (SHE) Regional Manager bei BENTELER Automotive in Südeuropa. Er wacht über die Gesundheit von rund 3.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – und sorgte durch Weitsicht dafür, dass wir schon zu Beginn der vorübergehenden Produktions-Stopps aufgrund der Corona-Pandemie am Wiederanlauf arbeiten konnten.

Zunächst ein Thema, das momentan vielen unter den Nägeln brennt: Der Sommerurlaub steht vor der Tür. Welchen Rat haben Sie, wie man in Zeiten von Corona seinen Urlaub verbringen sollte?

Eine schöne Zeit kann man doch überall haben, auch auf dem eigenen Balkon oder der eigenen Terrasse. Etwa an einem lauen Sommerabend mit einem guten Getränk in der Hand. Die großen Reisen können wir ja wieder unternehmen, wenn wir einen Impfstoff haben. Die Welt läuft uns schon nicht davon.

Was mich ganz persönlich betrifft: Neben einem kühlen Getränk auf der Terrasse werde ich diesen Sommer versuchen, auf meiner Harley zu fahren… natürlich kurze Strecken.

 

Zu Ihrer beruflichen Aufgabe als SHE-Manager gehört, für Sicherheit und Gesundheit zu sorgen. Neben Präventivmaßnahmen gibt es für allerlei Situationen – von Brand bis zu Personenschaden – Notfallpläne. Hat man das auch für eine Pandemie?

Ich bin – das war unser Glück – ausgebildeter Arzt im Bereich Arbeitsmedizin. So konnte ich schon früh einschätzen, was auf uns zukommt. Als die Pandemie in China ausbrach, waren wir bereits alarmiert. Wir haben hier in Südeuropa diesen Zeitvorsprung genutzt, um rasch, schon im Februar, Mund-Nasen-Schutzmasken für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bestellen. Insgesamt haben wir bei BENTELER weltweit intensiv daran gearbeitet, entsprechende Schutzausrüstung zu erhalten – und aufgrund des internationalen Engpasses an Mund-Nasen-Schutzmasken in einigen Ländern alternative Lösungen gefunden.

 

Wie viele Mund-Nasen-Schutzmasken haben Sie geordert?

Rund 150.000 Stück. Anfangs kam es zu Lieferverzögerungen: Das waren zunächst turbulente Wochen. Bei uns in der Region Südeuropa waren zu Beginn der vorübergehenden Produktions-Stopps im März rund 1000 Masken angekommen. Auch von Hand- und Oberflächendesinfektionsmitteln war anfangs weniger da, als wir bestellt hatten. Dennoch konnten wir dank unserer schnellen Reaktion mit diesen Maßnahmen schon zu Beginn der vorübergehenden Werksschließungen an der Instandhaltung unserer Werke arbeiten. Gleichzeitig starteten wir die Vorbereitungen für das spätere Hochfahren – und das in einer sicheren Arbeitsumgebung.

 

Welche Maßnahmen wurden neben den bekannten Regeln wie Maskenpflicht, Händewaschen und Abstandhalten ergriffen?

Wir haben in den verschiedenen Ländern die jeweils gültigen lokalen Regularien implementiert und zusätzlich die weltweit gültigen BENTELER-Corona-Richtlinien (siehe Infobox unten) eingeführt.

Ebenso wichtig wie diese Maßnahmen ist aber, dass die Menschen diese auch verstehen und richtig umsetzen. Information ist der Schlüssel: Warum machen wir das? Wie machen wir das? Im Kampf gegen Covid-19 schützen wir uns selbst am besten, indem wir auch die anderen schützen. Jetzt im Moment ist wichtig, dass wir nicht nachlassen – das Virus ist noch da, auch wenn es sich für manche anders anfühlt.

Für mich gehört zu Sicherheit auch Gewissheit. Jeder muss sich fragen: Bin ich gesund, bin ich erkrankt? Wenn man das weiß, kann man entsprechend handeln. Wir bei BENTELER in Südeuropa haben deshalb mit Laboratorien gesprochen, um ausreichend Tests für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung stellen zu können, sollte die öffentliche Hand das nicht immer schaffen. So können all unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und auch Personen von außen sicher sein, dass jedem, wirklich jedem Verdachtsfall entsprechend nachgegangen wird.

 

Apropos: Wie gehen wir mit Personen um, die mit BENTELER-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern interagieren müssen, aber nicht an unsere strengen Regeln gebunden sind, wie beispielsweise LKW-Fahrer anderer Unternehmen?

Wir versuchen den Kontakt zu minimieren. Dazu haben wir Arbeitsplätze und Prozesse analysiert und so umgestaltet, dass es nach Möglichkeit zu keinem persönlichen Kontakt kommt. Wo dieser unvermeidbar ist, haben wir weitere Sicherheitsmaßnahmen eingezogen. Etwa durch Gesichts-Schutzschilder, die zusätzlich zu den Mund-Nasen-Schutzmasken getragen werden. Zusätzlich zu Handschuhen, Oberflächendesinfektion, Abstandsregeln et cetera. Das klappt bisher sehr gut.

 

All das schützt die Menschen an ihrem Arbeitsplatz. Was aber geschieht, wenn sich jemand im privaten Umfeld ansteckt? Wie handeln Sie, wenn jemand positiv getestet würde?

Prävention ist das Wichtigste. Wenn wir diszipliniert sind und uns an die Regeln halten, sollte das nicht vorkommen. Der Check am Werkseingang, wo die Körpertemperatur gemessen wird, ist eine weitere Präventivmaßnahme hier in der Region Südeuropa. Sollte jemand erkrankt sein, ohne Symptome zu zeigen, würden wir die Person im Verdachtsfall sofort separieren, die örtlichen Gesundheitsbehörden verständigen und einen Test veranlassen. Zeitgleich würden wir nachgehen, mit wem diese Person Kontakt hatte und alle Kontakte informieren, damit sie bis zum Vorliegen des Testergebnisses in Selbstquarantäne gehen können. All das in Absprache mit den Behörden. Diese geben das weitere Prozedere vor. 

 

Sie sind Arzt und SHE-Manager. Ihre Meinung war auch gefragt, als die spanische Automobil-Industrie Sicherheitsregeln für die Zeit der Pandemie entwarf. Was meinen Sie, wie lange werden wir Mund-Nasen-Schutzmasken tragen müssen?

Das wird wohl noch ein Weilchen dauern. Das Virus ist noch da, wir haben keine wirksamen Medikamente und keinen Impfstoff. Das Risiko sich anzustecken ist real. Darum ist es jetzt genauso wichtig, Abstand zu halten und Masken zu tragen, wie vor ein paar Wochen.

Im Sommer könnten wir durch die warmen Temperaturen Glück haben – viele Viren sind bei Hitze weniger leicht übertragbar. Wir alle dürfen in dieser Zeit aber weder unsere Disziplin noch unsere Achtsamkeit verlieren. Das ist ein wenig meine Sorge. Denn spätestens im Herbst, wenn es kühler wird, könnte es möglicherweise wieder vermehrt zu Ansteckungen kommen. Dann haben wir zwar alle genug Masken und Desinfektionsmittel. Wenn zu diesem Zeitpunkt die Menschen aber keinen Abstand mehr halten, sich unbedacht ins Gesicht greifen und Hygieneregeln vernachlässigen, wird all das Material wenig nützen. Den Kampf gegen Corona können wir daher nur alle gemeinsam gewinnen. Wir bei BENTELER passen bestmöglich auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf – und diese schützen umgekehrt das Unternehmen, indem sie auf sich selbst und andere achtgeben. Wir sind eine Familie.

INFO BOX: BENTELER-Corona-Richtlinien

Neben den bekannten Hygienemaßnahmen wie Mund-Nasen-Schutzmasken, Händewaschen und Abstandhalten hat BENTELER weltweit zusätzliche Regelungen eingeführt. Diese umfassen z. B. auch die Schließung von Kantinen, den Verzicht auf Dienstreisen und die Arbeit aus dem Home-Office für unsere Büromitarbeiterinnen und -mitarbeiter.

Wir informieren unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig mit einer breiten internen Kommunikationskampagne über unsere Corona-Maßnahmen. Es gibt zum Beispiel Videos zum korrekten Aufsetzen des Mund-Nasen-Schutzes. Oder zu verändertem Verhalten, einander zu begrüßen. Wir bieten auf auch auf lokaler Ebene Trainings an.

Bei allen Maßnahmen ist unsere oberste Priorität, die Gesundheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen und gleichzeitig die Produktion für unsere Kunden sicherzustellen, wo dies möglich ist.