Unser Blick auf 2020

Salzburg, 23. März 2021. Das vergangene Jahr war in vielerlei Hinsicht besonders. Brexit, Handelskonflikte, die Wahlen in den USA – und natürlich die Covid-19-Pandemie. Das berufliche, soziale und private Leben wurde auf den Kopf gestellt. Für viele Menschen bedeutete es neue Herausforderungen, wie etwa die Vereinbarung von Home-Office und Home-Schooling. Und auch uns bei BENTELER stellte 2020 vor neue Herausforderungen. Wie wir diese gemeistert haben erzählt CEO Ralf Göttel im Interview.

Herr Göttel, welche Eindrücke hat das Jahr 2020 bei Ihnen hinterlassen?

In der Krise, heißt es, zeigt sich der wahre Charakter. Wir bei BENTELER haben im Vorjahr Mut bewiesen, Stärke gezeigt und Zusammenhalt gelebt. Gemeinsam haben wir unsere Position als systemrelevanter, zuverlässiger Partner der Industrie bestätigt.
In einem der wirtschaftlich wie individuell forderndsten Jahre haben wir unsere frühzeitig begonnene Transformation nicht nur konsequent fortgesetzt, sondern intensiviert. Die branchenüblich hohen Fixkosten flexibilisiert, unsere Effizienz gesteigert und strategisch wichtige Neuaufträge gesichert. Mehr noch: Wir haben trotz der Pandemie unsere Liquidität stabilisiert und erfolgreich die Refinanzierung bis 2024 vereinbart. Alle Finanzierungspartner zogen mit – sie wissen, dass wir liefern, was wir versprechen. Dass unsere Marktposition und Strategie zukunftsfähig sind.

Wie hat sich die Pandemie auf das Ergebnis der BENTELER Gruppe ausgewirkt?

Die Automobilbranche befindet sich bereits seit einigen Jahren im Umbruch. Die Marktschwäche des Vorjahres hielt auch 2020 an und die Covid-19-Pandemie verschärfte die Lage weltweit. Die globale Automobilproduktion ging um 17 Prozent zurück. Das führte auch bei uns zu einem Einbruch: Mit 6,358 Milliarden Euro machten wir 2020 über eine Milliarde weniger Umsatz als noch im Vorjahr. Aber wir haben schnell und konsequent gehandelt, unsere Transformation intensiviert und beschleunigt. Und konnten so, gemeinsam als ein Team, das Ruder herumreißen. Das zeigen auch die Ergebnisse. Durch einen gemeinsamen Kraftakt konnten wir im vierten Quartal ein deutlich positives Ergebnis erzielen und so das Jahr mit einem EBITDA von 160 Millionen Euro abschließen. Vielen Dank an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dies mit ihrem leidenschaftlichen Engagement möglich gemacht haben.

Wie blicken Sie in die kommenden Jahre in Bezug auf die Pandemie?

Die Pandemie bestimmt Gegenwart und Zukunft: Zwar hat die Erholung der Märkte bereits begonnen, der positive Trend jedoch ist abhängig von rückläufigen Infektionszahlen. Frühestens Ende 2022 wird wohl das Vorkrisenniveau erreicht sein.

Wieso ist BENTELER gut gewappnet für die Zukunft?

Wir haben uns 2020 auf die nun noch volatileren Märkte rigoros eingestellt. Diesen Weg werden wir weiter fortsetzen mit dem Ziel agil, effizient und somit resilient gegenüber der neuen Disruptivität zu sein. Um ein unabhängiges Unternehmen zu bleiben, werden wir diese Transformation mit Konsequenz und Leidenschaft fortsetzen. So, wie wir täglich daran arbeiten, Mobilität noch leichter, sicherer und nachhaltiger zu gestalten. Seite an Seite mit unseren Kunden. Denn wir sind ihr starker Partner auf der Reise in die Zukunft der Mobilität.

Worauf liegt der Fokus in 2021 und den kommenden Jahren?

Wir werden unsere Transformation weiter konsequent fortführen, um so ein langfristiges, profitables Wachstum zu erzielen und die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern. Wir konzentrieren uns auf unser Kerngeschäft als Metall-Prozess-Spezialist. Dabei können wir auf über 100 Jahre Expertise in der Metallverarbeitung zurückgreifen. Die Zufriedenheit unserer Kunden und die Positionierung im Markt zeigen: Wir wissen wie kein anderer, wie man Metalle formt und verbindet. Die Transformation der BENTELER Gruppe werden wir konsequent fortsetzen, unser Produktangebot weiter optimieren. Gleichzeitig haben wir die wichtigen Zukunftsthemen wie operative Exzellenz unserer Produktion, Industrie 4.0 aber auch E-Mobilität fest im Blick.

Welche Rolle spielen für Sie Industrie 4.0 und E-Mobilität?

Wir setzen verstärkt auf Industrie 4.0-Lösungen. Durch vorausschauende Instandhaltung verhindern wir beispielsweise Produktionsstopps und stellen für unsere Kunden zeitgerechte Lieferung zu fairen Preisen sicher. Dazu arbeiteten wir im EU-geförderten Forschungsprojekt BOOST 4.0 mit dem international renommierten Fraunhofer Institut zusammen. Gemeinsam entwickelten wir ein Modell zur vorausschauenden Instandhaltung von Maschinen mithilfe von Big Data. Diesen Weg der Digitalisierung setzen wir weiter fort, treiben die Automatisierung und digitale Transformation der Produktionsstandorte voran und passen schon heute Ausbildungsberufe an neue Profile mit erweiterten Technologiekenntnissen an.

Darüber hinaus arbeiten wir mit strategischen Partnern, um den Wandel der Mobilität agil und effizient zu gestalten. Seit 2020 decken wir gemeinsam mit Bosch und Pininfarina S.p.A. den vollständigen Entwicklungsprozess eines Elektrofahrzeugs bis zum Produktionsstart ab. So bringen wir E-Mobilitätslösungen unserer Kunden nun noch schneller und effizienter auf die Straße. In Wachstumsfelder wie E-Mobilität, Leichtbau und CO2-reduzierte Antriebslösungen werden wir weiter gezielt investieren und Produktinnovationen entwickeln. Im vergangenen Jahr haben wir bereits zahlreiche Produktinnovationen vorangetrieben: Von einem elektrisch beheizten Katalysator, der den Schadstoffausstoß beim Kaltstart fast auf Null reduziert, über verarbeitungsfertige Airbag-Rohre, bei denen wir die Sicherheitsprüfung in den Produktionsprozess integrierten, hin zum BTR 2000, einem Warmformstahl, der bis zu 15 Prozent Gewicht spart und so die Umwelt schont. Denn wir sehen emissionsarme Mobilität als Chance. 85 Prozent unseres Produktangebots sind antriebs- und technologieoffen.

Somit sind wir gut aufgestellt, um die Mobilität von morgen leichter, sicherer und nachhaltiger zu machen – und das weltweit.

Vielen Dank für das Gespräch.

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